Drückendes Wasser vs. Bodenfeuchte: Abdichtungsarten erklärt

📖 Lesezeit: 7 Minuten | Stand: 18. Januar 2026

🏠 Kurz & Knapp: Drückendes Wasser und Bodenfeuchte sind zwei grundverschiedene Belastungsarten für Kellerabdichtungen. Die DIN 18533 unterscheidet vier Wassereinwirkungsklassen, die bestimmen, welche Abdichtungsmassnahmen erforderlich sind. Bei Bodenfeuchte reicht oft eine einfache Abdichtung – bei drückendem Wasser sind verstärkte Systeme mit grösserer Schichtdicke Pflicht. Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede und zeigt, welche Abdichtungsart wann zum Einsatz kommt.

Drückendes Wasser oder Bodenfeuchte? Diese Frage ist entscheidend für jede Kellerabdichtung. Denn wer die falsche Abdichtungsart wählt, riskiert teure Feuchtigkeitsschäden. Die Norm DIN 18533 definiert klare Wassereinwirkungsklassen und gibt vor, welche Abdichtungsmassnahmen für welchen Lastfall erforderlich sind.

Drückendes Wasser oder Bodenfeuchte

Drückendes Wasser oder Bodenfeuchte

💡 Die wichtigsten Unterschiede:

  • Bodenfeuchte (W1-E): Kapillargebundenes Wasser ohne hydrostatischen Druck
  • Drückendes Wasser (W2-E): Grundwasser, Stauwasser, Hochwasser mit Druck
  • Mindestschichtdicke: 3 mm bei Bodenfeuchte, 4 mm bei drückendem Wasser
  • Kosten: Abdichtung gegen drückendes Wasser ist deutlich aufwändiger

Die vier Wassereinwirkungsklassen nach DIN 18533

Die DIN 18533 löste 2017 die alte DIN 18195 ab und definiert vier Wassereinwirkungsklassen für erdberührte Bauteile. Die richtige Einordnung ist entscheidend für die Wahl der Abdichtung.

Klasse Bezeichnung Beschreibung
W1-E Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser Kapillarwasser, Sickerwasser ohne Stau
W2-E Drückendes Wasser Grundwasser, Stauwasser, Hochwasser
W3-E Nicht drückendes Wasser auf Decken Erdüberschüttete Deckenflächen
W4-E Spritzwasser und Kapillarwasser Wandsockelbereich, unter Wänden

Bodenfeuchte (W1-E) – Was ist das?

Bodenfeuchte ist kapillargebundenes Wasser im Erdreich. Es wird durch Kapillarkräfte transportiert – auch entgegen der Schwerkraft. Im Gegensatz zu drückendem Wasser übt Bodenfeuchte keinen hydrostatischen Druck auf die Abdichtung aus.

Merkmale der Bodenfeuchte:

  • Kapillarwasser, Saugwasser, Haftwasser
  • Kein hydrostatischer Druck
  • Tritt bei gut durchlässigem Baugrund auf (Kies, Sand)
  • Durchlässigkeitsbeiwert k ≥ 10⁻⁴ m/s

Unterklassen der Wassereinwirkungsklasse W1-E:

Klasse Situation Voraussetzung
W1.1-E Bodenfeuchte bei Bodenplatten und Wänden Gut durchlässiger Boden (k ≥ 10⁻⁴ m/s), keine Dränung nötig
W1.2-E Bodenfeuchte und nicht stauendes Sickerwasser Weniger durchlässiger Boden mit Dränung nach DIN 4095

💡 Wichtig: Bei Bodenfeuchte (W1-E) muss die unterste Abdichtungsebene mindestens 50 cm oberhalb des Bemessungswasserstands liegen.

Drückendes Wasser (W2-E) – Die höhere Belastung

Drückendes Wasser entsteht, wenn Grundwasser, Stauwasser oder Hochwasser mit hydrostatischem Druck gegen die Kellerwände und die Bodenplatte drückt. Diese Belastung ist deutlich höher als bei Bodenfeuchte und erfordert verstärkte Abdichtungsmassnahmen.

Ursachen für drückendes Wasser:

  • Grundwasser: Porenräume des Bodens sind vollständig wassergefüllt
  • Stauwasser: Aufgestautes Sickerwasser bei wenig durchlässigem Boden ohne Dränung
  • Hochwasser: Temporär erhöhter Wasserstand
  • Hangwasser: Seitlich zulaufendes Wasser bei Hanglagen

Unterklassen der Wassereinwirkungsklasse W2-E:

Klasse Einwirkung Wassersäule
W2.1-E Mässige Einwirkung von drückendem Wasser Bis 3 m Höhe
W2.2-E Hohe Einwirkung von drückendem Wasser Über 3 m Höhe

⚠️ Achtung: Wird bei wenig durchlässigem Boden keine Dränung eingebaut, muss gegen drückendes Wasser (W2-E) abgedichtet werden – auch wenn kein Grundwasser ansteht!

Drückendes Wasser vs. Bodenfeuchte – Der direkte Vergleich

Kriterium Bodenfeuchte (W1-E) Drückendes Wasser (W2-E)
Hydrostatischer Druck Nein Ja
Wasserart Kapillarwasser, Sickerwasser Grundwasser, Stauwasser, Hochwasser
Bodendurchlässigkeit Gut durchlässig (k ≥ 10⁻⁴ m/s) Wenig durchlässig ohne Dränung
Mindestschichtdicke PMBC 3 mm 4 mm mit Verstärkungseinlage
Verstärkungseinlage Nicht erforderlich Erforderlich
Kosten Moderat Hoch
Schadenspotenzial Mittel Sehr hoch

Abdichtungsarten im Überblick

Je nach Wassereinwirkungsklasse kommen unterschiedliche Abdichtungsmaterialien und -verfahren zum Einsatz:

1. Bitumendickbeschichtung (PMBC)

Polymer Modified Bituminous Coating – die klassische „Schwarze Wanne“. Wird flüssig aufgetragen und bildet eine nahtlose Abdichtungsschicht.

  • Geeignet für: W1-E, W2.1-E (bis 3 m Wassersäule)
  • Schichtdicke: 3 mm (W1-E) bzw. 4 mm mit Einlage (W2-E)
  • Vorteile: Nahtlos, gute Haftung, rissüberbrückend
  • Nachteile: Trocknungszeit, witterungsabhängig

2. Mineralische Dichtschlämme (MDS)

Zementbasierte Abdichtung, die in mehreren Schichten aufgetragen wird. Besonders geeignet für Innenabdichtungen.

  • Geeignet für: W1-E, eingeschränkt W2-E
  • Vorteile: Negativer Wasserdruck möglich, mineralisch
  • Nachteile: Weniger flexibel als PMBC

3. Bahnenförmige Abdichtungen

Bitumen- oder Kunststoffbahnen, die verschweisst oder verklebt werden.

  • Geeignet für: W2.2-E (über 3 m Wassersäule)
  • Vorteile: Höchste Belastbarkeit, definierte Schichtdicke
  • Nachteile: Nähte als Schwachstellen, aufwändige Verarbeitung

4. WU-Beton (Weisse Wanne)

Wasserundurchlässiger Beton, der keine zusätzliche Abdichtung benötigt.

  • Geeignet für: Alle Wassereinwirkungsklassen
  • Vorteile: Tragendes und dichtendes Element in einem
  • Nachteile: Rissbildung möglich, teurer

Welche Abdichtung für welchen Lastfall?

Wassereinwirkung Geeignete Abdichtungen Mindestanforderung
W1.1-E (Bodenfeuchte) PMBC, MDS, Bahnen 3 mm Trockenschichtdicke
W1.2-E (mit Dränung) PMBC, MDS, Bahnen 3 mm Trockenschichtdicke
W2.1-E (bis 3 m) PMBC, Bahnen, WU-Beton 4 mm mit Verstärkungseinlage
W2.2-E (über 3 m) Bahnen, WU-Beton 4 mm mit Verstärkungseinlage

So bestimmen Sie den richtigen Lastfall

Die Wahl der richtigen Abdichtung beginnt mit der Bestimmung der Wassereinwirkungsklasse. Folgende Faktoren sind entscheidend:

  1. Bodengutachten: Durchlässigkeitsbeiwert k ermitteln lassen
  2. Grundwasserstand: Bemessungswasserstand (höchster zu erwartender Wasserstand) klären
  3. Geländesituation: Hanglage, Mulde, Überschwemmungsgebiet?
  4. Dränung: Ist eine funktionierende Dränung vorhanden oder geplant?

🛠️ Brugger AG: Die richtige Bestimmung der Wassereinwirkungsklasse ist die Grundlage jeder erfolgreichen Kellerabdichtung. Kontaktieren Sie uns für eine professionelle Analyse.

Häufige Fehler bei der Lastfallbestimmung

⚠️ Diese Fehler führen zu Feuchtigkeitsschäden:

  • Unterschätzung der Wasserbelastung (zu schwache Abdichtung)
  • Fehlende Berücksichtigung von Stauwasser bei wenig durchlässigem Boden
  • Keine Dränung trotz bindiger Böden (Lehm, Ton)
  • Vernachlässigung von Hangwasser bei Hanglagen
  • Falsche Annahme über den Grundwasserstand

Kosten für die verschiedenen Abdichtungsarten

Abdichtungsart Kosten (CHF/m²) Lastfall
Dichtschlämme (MDS) 40–80 W1-E
Bitumendickbeschichtung (PMBC) 60–120 W1-E, W2.1-E
Bahnenabdichtung 80–150 W2.1-E, W2.2-E
WU-Beton (Weisse Wanne) 150–300 Alle
Dränung nach DIN 4095 80–150 / lfm Ergänzend

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Woran erkenne ich, ob drückendes Wasser oder Bodenfeuchte vorliegt?
Ein Bodengutachten gibt Aufschluss über den Durchlässigkeitsbeiwert und den Grundwasserstand. Typische Anzeichen für drückendes Wasser: Wasser tritt aktiv aus Rissen oder Fugen, stehendes Wasser im Keller nach Regen, hoher Grundwasserstand im Umfeld. Bei Bodenfeuchte zeigen sich eher diffuse Feuchtigkeit, Salzausblühungen und muffiger Geruch.
Kann ich gegen Bodenfeuchte mit einer schwächeren Abdichtung sparen?
Bei eindeutig nachgewiesener Bodenfeuchte (W1-E) ist eine Abdichtung mit 3 mm Trockenschichtdicke ausreichend. Allerdings: Wird der Lastfall falsch eingeschätzt, drohen teure Folgeschäden. Im Zweifel ist es wirtschaftlicher, eine stärkere Abdichtung zu wählen, als später nachzubessern.
Was passiert, wenn ich die falsche Abdichtung wähle?
Bei einer zu schwachen Abdichtung kann Wasser eindringen und schwere Schäden verursachen: Feuchtigkeit im Keller, Schimmelbildung, Salzausblühungen, Zerstörung der Bausubstanz. Eine nachträgliche Verstärkung ist aufwändig und teuer – oft muss die gesamte Abdichtung erneuert werden.
Brauche ich bei Hanglage eine spezielle Abdichtung?
Ja, bei Hanglagen muss mit Hangwasser gerechnet werden, das seitlich gegen das Gebäude drückt. Je nach Intensität kann dies als drückendes Wasser (W2-E) eingestuft werden. Eine Kombination aus Dränung und verstärkter Abdichtung ist häufig erforderlich. Ein Bodengutachten klärt die genauen Verhältnisse.
Kann eine Dränung das Problem lösen?
Eine funktionierende Dränung nach DIN 4095 kann bei wenig durchlässigem Boden das Stauwasser ableiten und so die Wassereinwirkungsklasse von W2-E auf W1.2-E reduzieren. Allerdings muss die Dränung dauerhaft funktionieren und regelmässig gewartet werden. Sie ist keine Alternative zur Abdichtung, sondern eine Ergänzung.
Gilt die DIN 18533 auch für Altbausanierungen?
Die DIN 18533 ist primär für Neubauten konzipiert. Bei Altbausanierungen dient sie als Orientierung für die Anforderungen, allerdings müssen die Massnahmen an die vorhandene Bausubstanz angepasst werden. Die Wassereinwirkungsklassen und Mindestschichtdicken gelten sinngemäss auch für Sanierungen.

Fazit: Die richtige Abdichtung wählen

Die richtige Abdichtung wählen für drückendes Wasser wählen

Die richtige Abdichtung wählen für drückendes Wasser wählen

Die Unterscheidung zwischen drückendem Wasser und Bodenfeuchte ist die Grundlage jeder erfolgreichen Kellerabdichtung. Die DIN 18533 definiert klare Wassereinwirkungsklassen, die bestimmen, welche Abdichtungsmassnahmen erforderlich sind.

Entscheidend ist die korrekte Bestimmung des Lastfalls durch ein Bodengutachten. Wer an der Abdichtung spart und den falschen Lastfall wählt, riskiert teure Folgeschäden. Im Zweifel gilt: Lieber eine stärkere Abdichtung wählen als später teuer nachbessern.

Vertrauen Sie auf einen erfahrenen Fachbetrieb für Bauwerksabdichtung, der die Verhältnisse vor Ort beurteilen und die richtige Lösung empfehlen kann.


Über den Autor

Brugger AG Mauer-Sanierung | Bauwerksabdichtung & Kellersanierung

Seit über 30 Jahren sind wir auf die Abdichtung von erdberührten Bauteilen spezialisiert – ob gegen Bodenfeuchte oder drückendes Wasser. Unsere Lösungen basieren auf fundierter Diagnose und normgerechter Ausführung.

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