Taupunkt, Kondensat & Schimmel – Bauphysik erklärt

📖 Lesezeit: 8 Minuten | Stand: 18. Januar 2026

🏠 Kurz & Knapp: Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der Luft mit Wasserdampf gesättigt ist und Kondensat ausfällt. Wird er an kalten Oberflächen unterschritten, entsteht Feuchtigkeit – der ideale Nährboden für Schimmel. Bereits ab 80 % relativer Luftfeuchtigkeit kann Schimmelwachstum einsetzen. Dieser Ratgeber erklärt den bauphysikalischen Zusammenhang zwischen Taupunkt, Kondensat und Schimmel und zeigt, wie Sie Probleme dauerhaft vermeiden.

Warum beschlagen Fenster im Winter? Warum schimmelt es in der Ecke hinter dem Schrank? Die Antwort liegt in der Bauphysik: Wenn warme, feuchte Raumluft auf kalte Oberflächen trifft, kann der Taupunkt unterschritten werden. Die Folge: Kondensat bildet sich – und damit der perfekte Nährboden für Schimmel.

💡 Die bauphysikalische Kette:

Warme Luft + hohe Feuchtigkeit + kalte Oberfläche = Taupunkt unterschritten → Kondensat → Schimmel

Was ist der Taupunkt?

Was ist der Taupunkt? Kondensat im Keller

Was ist der Taupunkt? Kondensat im Keller

Der Taupunkt (auch Taupunkttemperatur) ist die Temperatur, bei der die Luft mit Wasserdampf vollständig gesättigt ist. Wird diese Temperatur unterschritten, kann die Luft den enthaltenen Wasserdampf nicht mehr halten – er kondensiert und schlägt sich als flüssiges Wasser nieder.

Das physikalische Prinzip:

Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte Luft. Bei einer Raumtemperatur von 20 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 60 % liegt der Taupunkt bei etwa 12 °C. Das bedeutet: Sobald die Luft oder eine Oberfläche auf 12 °C oder kälter abkühlt, beginnt der Wasserdampf zu kondensieren.

Raumtemperatur Rel. Luftfeuchtigkeit Taupunkt
20 °C 40 % 6,0 °C
20 °C 50 % 9,3 °C
20 °C 60 % 12,0 °C
20 °C 70 % 14,4 °C
20 °C 80 % 16,4 °C

⚠️ Wichtig: Je höher die Luftfeuchtigkeit, desto höher der Taupunkt – und desto grösser die Gefahr von Kondensatbildung!

Wie entsteht Kondensat an Bauteilen?

Kondensat (auch Tauwasser oder Schwitzwasser genannt) entsteht, wenn warme, feuchte Raumluft auf Oberflächen trifft, die kälter sind als der Taupunkt. Typische Stellen:

Schwitzwasser am Fensterglas entsteht, wenn warme, feuchte Raumluft auf eine kalte Oberflächen trifft.

Schwitzwasser am Fensterglas entsteht, wenn warme, feuchte Raumluft auf eine kalte Oberflächen trifft.

  • Fensterscheiben und Fensterrahmen
  • Aussenwände (besonders in Ecken)
  • Wärmebrücken (Rollladenkästen, Heizkörpernischen)
  • Kellerwände und -decken
  • Bereiche hinter Möbeln an Aussenwänden

Oberflächenkondensat vs. Innenkondensat

Art Entstehung Erkennbarkeit
Oberflächenkondensat Taupunkt an sichtbarer Oberfläche unterschritten Sichtbar (beschlagene Fenster, nasse Wände)
Innenkondensat Taupunkt innerhalb der Baukonstruktion unterschritten Unsichtbar, aber langfristig schädlich

Von Kondensat zu Schimmel – der Zusammenhang

Schimmel benötigt für sein Wachstum drei Faktoren: Feuchtigkeit, organisches Material und eine bestimmte Temperatur. Die kritische Erkenntnis: Schimmelwachstum beginnt bereits ab 80 % relativer Luftfeuchtigkeit an der Oberfläche – eine vollständige Taupunktunterschreitung ist dafür nicht zwingend erforderlich!

Die Schimmel-Formel:

Schimmelrisiko = Feuchtigkeit + Nährstoff + Zeit

  • Feuchtigkeit: Ab 80 % rel. Luftfeuchtigkeit an der Oberfläche
  • Nährstoff: Tapeten, Farbe, Putz, Staub, Holz, Silikon
  • Zeit: Dauerhaft feuchte Bedingungen über mehrere Tage

Die Temperaturzone für Schimmelwachstum:

Schimmelpilze wachsen optimal bei Temperaturen zwischen 0 °C und 50 °C. Die für Wohnräume typischen Temperaturen (15–25 °C) liegen genau in diesem Bereich – Schimmel findet hier ideale Bedingungen, sobald ausreichend Feuchtigkeit vorhanden ist.

Wärmebrücken – die Hauptursache für Kondensatprobleme

Wärmebrücken sind Stellen in der Gebäudehülle, an denen die Wärme schneller nach aussen abfliesst als in den umliegenden Bereichen. Die Folge: Die Oberflächentemperatur an diesen Stellen ist deutlich niedriger – oft unter dem Taupunkt.

Typische Wärmebrücken:

Wärmebrücke Problem Typisches Schadensbild
Fensteranschlüsse Ungenügende Dämmung im Laibungsbereich Schimmel an Fensterrahmen und -ecken
Gebäudeecken Geometrische Wärmebrücke Schimmel in Raumecken
Rollladenkästen Fehlende oder mangelhafte Dämmung Kondensat und Schimmel im Sturzbereich
Heizkörpernischen Reduzierte Wandstärke Feuchtigkeit hinter dem Heizkörper
Balkonplatten Durchgehende Betonplatte Kondensat an der Decke unter dem Balkon
Kellerdecke Ungedämmte Decke zum unbeheizten Keller Kalte Füsse, Schimmel im Sockelbereich

Taupunkttabelle – das wichtigste Werkzeug

Mit einer Taupunkttabelle können Sie ermitteln, bei welcher Oberflächentemperatur Kondensat ausfällt. Die Tabelle zeigt den Zusammenhang zwischen Raumtemperatur, relativer Luftfeuchtigkeit und Taupunkt.

Temp. Feuchte 40 % 50 % 60 % 70 % 80 %
16 °C 2,2 5,5 8,2 10,6 12,6
18 °C 4,0 7,4 10,1 12,5 14,5
20 °C 6,0 9,3 12,0 14,4 16,4
22 °C 7,8 11,1 13,9 16,3 18,4
24 °C 9,6 13,0 15,7 18,2 20,3

Angaben in °C – Werte zeigen die Taupunkttemperatur

Beispielrechnung:

Bei einer Raumtemperatur von 20 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 60 % liegt der Taupunkt bei 12 °C. Ist die Wandoberfläche kälter als 12 °C, bildet sich Kondensat. Bei 70 % Luftfeuchtigkeit steigt der Taupunkt auf 14,4 °C – eine Oberfläche mit 14 °C wäre dann bereits kritisch.

Besonderheit Keller – das Sommerkondensatproblem

Im Keller tritt ein spezielles Kondensatproblem auf, das viele Hausbesitzer überrascht: das Sommerkondensat.

Der Mechanismus:

  1. Im Sommer ist die Aussenluft warm und feucht (z. B. 25 °C, 70 % rel. Feuchte)
  2. Diese Luft strömt durch Lüften in den Keller
  3. Die Kellerwände sind ganzjährig kühl (ca. 12–15 °C)
  4. Die warme Luft kühlt an den kalten Wänden ab
  5. Der Taupunkt wird unterschritten → Kondensat bildet sich

⚠️ Fehler vermeiden: Im Sommer sollten Keller nur in den kühlen Morgen- oder Abendstunden gelüftet werden – nicht tagsüber bei schwüler Hitze!

Massnahmen gegen Taupunkt, Kondensat und Schimmel

Die Vermeidung von Kondensatproblemen basiert auf drei Stellschrauben:

1. Luftfeuchtigkeit senken

  • Stosslüften: 3–4× täglich für 5–10 Minuten quer lüften
  • Feuchtequellen reduzieren: Wäsche nicht in Wohnräumen trocknen
  • Dunstabzug: Beim Kochen und Duschen Abluft nutzen
  • Luftentfeuchter: Bei dauerhaft hoher Feuchtigkeit (>60 %)

2. Oberflächentemperatur erhöhen

  • Heizen: Gleichmässige Raumtemperatur (mindestens 16 °C)
  • Möbel abrücken: 5–10 cm Abstand zu Aussenwänden
  • Wärmebrücken sanieren: Innendämmung, Dämmkeile
  • Fenster erneuern: Moderne Verglasung mit höherer Oberflächentemperatur

3. Bauliche Massnahmen

  • Aussendämmung: Erhöht die Oberflächentemperatur innen
  • Innendämmung: Bei denkmalgeschützten Fassaden (mit Dampfbremse!)
  • Kontrollierte Wohnraumlüftung: Automatischer Luftaustausch mit Wärmerückgewinnung
  • Fachgerechte Kellerabdichtung: Verhindert kapillare Feuchtigkeit

Diagnose: Kondensat oder aufsteigende Feuchtigkeit?

Nicht jede Feuchtigkeit im Keller ist Kondensat. Die richtige Diagnose ist entscheidend für die Wahl der Sanierungsmassnahme.

Merkmal Kondensat Aufsteigende Feuchtigkeit
Jahreszeit Winter (Heizperiode) oder Sommer (Keller) Ganzjährig
Position Kälteste Stellen (Ecken, Fenster) Sockelbereich, von unten nach oben
Salzausblühungen Selten Häufig (Mauersalpeter)
Reaktion auf Lüften Besserung (im Winter) Keine Veränderung
Sanierung Lüften, Heizen, Dämmen Horizontalsperre, Abdichtung

🛠️ Brugger AG: Die Unterscheidung zwischen Kondensat und aufsteigender Feuchtigkeit ist entscheidend für die richtige Sanierung. Kontaktieren Sie uns für eine professionelle Diagnose.

Schimmel richtig sanieren

Ist bereits Schimmel entstanden, reicht oberflächliches Entfernen nicht aus. Die Ursache – das Kondensatproblem – muss behoben werden.

Sanierungsschritte:

  1. Ursachenanalyse: Kondensat, Wärmebrücke oder Baufeuchtigkeit?
  2. Schimmelentfernung: Fachgerechte Beseitigung des Befalls
  3. Ursachenbeseitigung: Wärmebrücke dämmen, Lüftungsverhalten ändern
  4. Oberflächensanierung: Diffusionsoffene Materialien verwenden
  5. Kontrolle: Raumklima überwachen (Hygrometer)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ab welcher Luftfeuchtigkeit entsteht Schimmel?
Schimmelwachstum kann bereits ab einer relativen Luftfeuchtigkeit von 80 % an der Oberfläche einsetzen – eine vollständige Kondensation (100 %) ist nicht erforderlich. Dauerhaft feuchte Bedingungen über mehrere Tage reichen für die Sporenkeimung aus. Halten Sie die Luftfeuchtigkeit daher unter 60 %.
Warum schimmelt es hinter dem Schrank?
Möbel direkt an Aussenwänden behindern die Luftzirkulation. Die Wand dahinter wird nicht von der Raumluft erwärmt und bleibt kalt. Die Oberflächentemperatur kann unter den Taupunkt fallen, Kondensat bildet sich – unsichtbar hinter dem Schrank. Lösung: Mindestens 5–10 cm Abstand zur Wand halten.
Hilft Lüften gegen Kondensat im Keller?
Das kommt auf die Jahreszeit an. Im Winter: Ja, kalte Aussenluft ist trocken und nimmt Feuchtigkeit auf. Im Sommer: Vorsicht! Warme, feuchte Aussenluft kondensiert an kalten Kellerwänden. Lüften Sie im Sommer nur in den kühlen Morgen- oder Abendstunden oder verwenden Sie einen Luftentfeuchter.
Was bringt eine Innendämmung?
Eine Innendämmung erhöht die Oberflächentemperatur der Wand auf der Raumseite und verhindert so Taupunktunterschreitung. Wichtig: Die Innendämmung muss fachgerecht mit Dampfbremse oder kapillaraktiven Materialien (z. B. Kalziumsilikat) ausgeführt werden, um Feuchteprobleme innerhalb der Konstruktion zu vermeiden.
Kann ich den Taupunkt messen?
Ja. Mit einem Thermo-Hygrometer messen Sie Raumtemperatur und relative Luftfeuchtigkeit. Daraus lässt sich der Taupunkt per Tabelle oder Formel ermitteln. Mit einem Infrarot-Thermometer messen Sie die Oberflächentemperatur der Wände. Liegt diese unter dem Taupunkt, besteht Kondensatgefahr.
Wann brauche ich einen Fachmann?
Professionelle Hilfe ist ratsam bei: grossflächigem Schimmelbefall (>0,5 m²), wiederkehrendem Schimmel trotz Lüften, unklarer Feuchteursache (Kondensat vs. Baufeuchte), geplanter Innendämmung oder energetischer Sanierung. Eine fachgerechte Diagnose verhindert Fehlinvestitionen.

Fazit: Taupunkt verstehen – Schimmel verhindern

Der Taupunkt ist der Schlüssel zum Verständnis von Kondensatproblemen und Schimmelbildung. Wer den Zusammenhang zwischen Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Oberflächentemperatur kennt, kann gezielt gegensteuern.

Die wichtigsten Massnahmen: Luftfeuchtigkeit unter 60 % halten, Oberflächentemperaturen über dem Taupunkt sicherstellen, Wärmebrücken sanieren und im Keller das Lüftungsverhalten an die Jahreszeit anpassen.

Bei komplexen Fällen oder wiederkehrendem Schimmel lohnt sich eine professionelle Bauwerksdiagnose. Nur so lässt sich die tatsächliche Ursache – Kondensat, aufsteigende Feuchtigkeit oder Bauschäden – sicher identifizieren und dauerhaft beseitigen.


Über den Autor

Brugger AG Mauer-Sanierung | Bauwerksabdichtung & Kellersanierung

Seit über 30 Jahren analysieren und sanieren wir Feuchtigkeitsprobleme in Gebäuden – ob Kondensat, aufsteigende Feuchtigkeit oder drückendes Wasser. Unsere bauphysikalische Diagnose ist die Grundlage für nachhaltige Lösungen.

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